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"Diese Mannschaft hat etwas geschaffen, das größer ist als die Qualifikation"

Geschrieben von
Daniel
Veröffentlicht am
25.6.2026

Am vergangenen Wochenende haben wir die NBBL-Quali im letzten Moment ganz knapp verpasst. Klingt nach Déjà-vu und war letztlich doch ganz anders. Wir haben mit NBBL-Quali-Trainer Boris Vidic nach dem Qualifikationswochenende über die Ereignisse gesprochen.

 

Die NBBL-Qualifikation wurde auch in diesem Jahr denkbar knapp verpasst. Wie blickst du auf das Wochenende zurück?

Natürlich überwiegt zunächst die Enttäuschung. Wir verlieren das alles entscheidende Spiel gegen Bamberg mit vier Punkten. Da tut jeder einzelne Punkt weh. Nach dem Schlusspfiff saßen die Jungs am Spielfeldrand, viele mit Tränen in den Augen. In diesem Moment war einfach nur Leere da.

Mit ein paar Tagen Abstand empfinde ich aber vor allem Stolz. Stolz auf die Entwicklung dieser Mannschaft, auf den Zusammenhalt und auf das, was die Jungs in den vergangenen Wochen geleistet haben.

 

Was hat am Ende den Ausschlag gegeben?

Es kam unglaublich viel zusammen. Wir mussten direkt zwei Spiele hintereinander absolvieren und hatten kaum Zeit zur Regeneration. Die Jungs konnten zwischen den Spielen praktisch nur kurz etwas essen, bevor es schon wieder weiterging.

Dazu verloren wir einen unserer Leistungsträger bereits nach nicht einmal einer Minute Spielzeit die er auf dem Feld war. Er nahm ein Offensivfoul an, landete dabei unglücklich und zog sich eine Platzwunde zu.

Trotzdem haben wir ein richtig gutes Spiel gemacht. Wir sind stark gestartet, konnten uns zwischenzeitlich sogar etwas absetzen und haben unseren Matchplan hervorragend umgesetzt. Zur Halbzeit war alles offen, aber wir waren genau dort, wo wir sein wollten.

Uns war vorher klar, dass dieses Spiel erst im vierten Viertel entschieden wird.

 

Und dort kippte das Spiel?

Ja, leider. Man hat gemerkt, dass die Kräfte langsam schwanden. Es schlichen sich Fehler ein, die wir normalerweise nicht machen. Vor allem haben wir zu viele einfache Punkte liegen lassen. Freiwürfe, die sonst sicher fallen, wollten plötzlich nicht mehr rein.

Das sind die Momente, die Spiele auf diesem Niveau entscheiden.

Am Ende verlieren wir mit vier Punkten. Das macht es besonders bitter, weil jeder gespürt hat, dass wir absolut auf Augenhöhe waren.

 

Wie hast du die Minuten nach dem Spiel erlebt?

Das war unglaublich emotional. Die Jungs saßen am Spielfeldrand, einige weinten, andere starrten einfach nur ins Leere. Jeder wusste, wie viel Arbeit, Energie und Herzblut in diesen drei Monaten gesteckt haben.

In der Kabine war die Stimmung entsprechend. Tom und ich haben versucht, die richtigen Worte zu finden. Aber ganz ehrlich: Es gibt Momente, in denen Worte nicht helfen. Die Jungs wollten diesen NBBL-Platz unbedingt. Da hilft nur Zeit, Abstand und die Erkenntnis, dass diese Niederlage nicht definiert, was sie erreicht haben.

 

Du sprichst immer wieder von der Entwicklung der Mannschaft. Was macht dich daran so stolz?

Wenn man heute auf diese Mannschaft schaut, vergisst man leicht, wie alles angefangen hat.

Anfang April standen dort 15 Jungs, die zum großen Teil noch nie zusammengespielt hatten. Ein Kern aus BGZ-Spielern und viele neue Spieler aus anderen Vereinen, die sich bei unseren Tryouts empfohlen hatten.

Damals konnte niemand wissen, ob daraus überhaupt eine funktionierende Mannschaft werden würde.

Heute sehe ich eine Gruppe, die füreinander kämpft, sich gegenseitig unterstützt, gemeinsam lacht, gemeinsam leidet und füreinander einsteht. Das ist nicht selbstverständlich und schon gar nicht in so kurzer Zeit.

Viele hatten dieser Mannschaft diese Entwicklung nicht zugetraut. Die Jungs haben das Gegenteil bewiesen.

 

Welche Bedeutung hat dabei die eigene Nachwuchsarbeit?

Eine sehr große. Besonders stolz macht mich, dass mit Ole, Tobi und Milan drei langjährige BGZ-Jungs Teil dieser Mannschaft waren.

Ich habe alle drei schon als Kinder durch unsere Hallen rennen sehen. Damals konnte niemand ahnen, wie sehr Basketball ihr Leben prägen würde. Sie haben unzählige Stunden in unseren Hallen verbracht, haben sich Jahr für Jahr entwickelt und stehen nun auf diesem Niveau auf dem Feld.

Zu sehen, dass sie dort nicht nur mithalten, sondern wichtige Rollen übernehmen können, ist etwas ganz Besonderes. Das zeigt, was im eigenen Nachwuchs entstehen kann.

 

Was nimmst du persönlich aus dieser Qualifikation mit?

Die Erkenntnis, dass Erfolg nicht immer nur am Ergebnis festgemacht werden darf.

Natürlich hätten wir uns qualifiziert. Natürlich hätten die Jungs diesen Moment verdient gehabt.

Aber wenn ich auf die vergangenen Monate zurückblicke, sehe ich eine Mannschaft, die zu einer echten Einheit geworden ist. Ich sehe Spieler, die Verantwortung übernommen haben. Ich sehe Freundschaften, die entstanden sind. Und ich sehe eine Gruppe, die gelernt hat, gemeinsam durch Höhen und Tiefen zu gehen.

Vielleicht ist genau diese Erfahrung jetzt der Antrieb für die nächsten Schritte. Vielleicht braucht es manchmal genau diesen Schmerz, um noch hungriger und noch fokussierter zu werden.

 

Schlussfrage: Wie würdest du das Projekt abschließend bewerten? 

Ole hat nach dem Wochenende etwas gesagt, das für mich alles auf den Punkt bringt:

"Als ich das NBBL-Team gesehen habe, konnte ich zwar Potenzial erkennen. Aber dass es so gut wird, hätte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen können."

Genau darum geht es. Die Qualifikation haben wir verpasst. Aber diese Mannschaft hat etwas geschaffen, das größer ist als ein Tabellenplatz: Sie ist zu einem echten Team geworden.

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